vom 16.-28.Aug. 2010
Für die Ärztin Uta Braun war es eine denkwürdige Reise: eine Wolgafahrt, die sie in vollen Zügen genoss. Und als dann noch eines Abends ein Pianist die Gäste verwöhnte, schien das Glück der leidenschaftlichen Musikliebhaberin vollkommen. Uta Braun lehnte sich zurück und lauschte dem sehr jungenhaft wirkenden Pianisten, einem gewissen Juri Sachno. Er spielte einen außergewöhnlichen Chopin. Und er spielte Beethoven.
Einen beunruhigenden Beethoven, anders als sie ihn zu hören gewohnt war: Rauer, wilder, an manchen Stellen sehr sanft und elegisch, aber immer voll Leben.
"Er spielt wie der leibhafttige Beethoven"
So kann man doch nicht Beethoven spielen, dachte sie während einer besonders ungewöhnlich interpretierten Passage. Doch während sie noch darüber nachdachte, was sie eigentlich so sehr an der Interpretation störte, geschah etwas Seltsames. „Ich hatte eine Vision. Meine Umgebung verschwand, ich wähnte mich an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit. In einem dunklen Zimmer saß ein Mann vor einem Flügel. Er spielte mit verbissener Wut, spielte seinen Schmerz, seine Verlassenheit, seine Zukunftsangst. Meine Beklemmung wurde riesig, als ich Beethoven erkannte. Genau in diesem Moment zerfiel das Bild vor meinem Inneren, und da saß wieder dieser junge Mann und zelebrierte unbeirrt ‚seinen‘ Beethoven. Es war ihm egal, ob man ihm zuhörte oder nicht.“
Höchstes Lob vom Top-Experten: Besser als Pollini
Dieser Abend im Sommer 2001 änderte das Leben von Uta Braun und von Juri Sachno. Die beiden kamen ins Gespräch. Uta Braun wollte wissen, wo Juri Sachno Konzerte gab und war bass erstaunt, als sie erfuhr, dass da nicht viel war. Ein wenig Kammermusik, ein paar Soloauftritte, alles in der südrussischen Provinz. Und seine Lehrtätigkeit. Sie gab ihm ihre Karte und versprach, ein Konzert in Österreich zu organisieren.